Reenactment

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Tja, das war anders geplant - aber es sollte ja ein Versuch werden.


[*Wir haben den Begriff "Schritte" für das neuzeitliche Maß "Meter" verwendet]

Aber von Beginn an: Am Morgen des Karfreitag, etwa zur neunten ostermarsch_10_03Stunde brachen wir von Harburg auf, etwa 1000 Schritte* durch das südlich von Hammaburg gelegene Dörflein und dann in die Haake (Forst) über das Dorf Alvesen, dort Wasser aufgefüllt, danach am Kiekeberg vorbei in den Rosengarten und durch die Diebeskuhlen.
Bei fortgeschrittener Dämmerung habe wir ein. Lager aufgeschlagen, irgendwo in der Nähe des Karlsteins. Dieser war eigentlich das Tagesziel und sollte etwa 3300 Schritte* von der "Groß Modder Eiche" entfernt sein, doch gefunden haben wir ihn nicht.

 


Aber wir haben am ersten Tag etwa 15.000* Schritte
geschafft, mit nur einem Irrläufer.
Die Nacht war kalt und Sternenklar, wir entzündeten mit Eisen, Zunder und Stein ein Feuer, aßen und hüllten uns in die Wolldecken und Mäntel. Die kalten Füße wurden von den nachlassenden Rückenschmerzen verdrängt, dafür hatte Bruder Daniel sich bereits einen Wolf gelaufen.

Nachts geschah es dann, die Lederwasserflasche von Bruder Alexander kippte um und sickerte über Nacht unbemerkt aus. Und in der Nacht hat Bruder Daniel, der im neuzeitlichen Leben Tabac konsumiert, immer einen Schluck getrunken wenn er gerne seiner Sucht gefröhnt hätte.


Damit hatten wir am nächsten morgen 2 Probleme.... erstens, nur noch Bruder Arn und meine Wenigkeit hatten noch Wasser, und zweitens erkannten wir in der morgendlichen Aufbruchsfreude unser Problem eins nicht. Wir brachen in einen wunderschönen Morgen auf und fanden endlich den Karlstein!

Im Verlauf desn nächsten halben Tages war unser verbliebenes Wasser verbraucht und das Waldstück auf dem Weg nach Vennersdorf wurde scheinbar immer länger... durch den Wald und über die neuzeitliche A1 ging es noch, danach kamen wir nur noch etwa 1000 Schritte* pro Stunde voran, unser "Senior" (knapp 40 Lenze) bekam Kreislaufprobleme, möglicherweise weil er 2 Decken mitgenommen hatte?
Mein rechter Knöchel machte sich bemerkbar und der Wolf von Bruder Daniel begann übel zu nässen... Nur Bruder Arn kam noch gut voran, aber die immer häufigeren Pausen ließen das Tagespensum in immer weitere Ferne rücken...

Bei Vennersdorf war es dann vorbei. Wir haben dort zwar noch bei sehr freundlichen Leuten Wasser bekommen, aber wären wir weiter gegangen hätten wir wahrscheinlich nachmittags für unseren Kreislaufpatienten ein Hospital benötigt.
Allgemein für uns alle galt, jeder weitere Schritt war eine Qual, in Folge des Wassermangels hatten wir geschwollene Zungen und gesprungene Lippen.

Trotzdem haben wir insgesamt 21.000 Schritte* geschafft, etwa 1/3 der geplanten Marschroute.

Erkenntnisse:
-die Ausrüstung besteht die Belastung, nur für uns war wohl der Winter zu lang.
-wir hatten zu viel Nahrung und zu wenig Wasser dabei
-eine Wolldecke reicht, auch bei nur 2 °C.
-das wichtigste nach dem Wasser ist ein Tiegel mit Melkfett zur Behandlung von wunden Stellen
-Ob Ledersohle, genagelte Sohle oder unauthentische Gummisohle, Blasen hatte keiner von uns
-bei etwa 50KG Zuladung bekommt jeder auf die Dauer Rückenschmerzen
-Generell wurde das Projekt von allen uns begegnenden positiv aufgenommen und wir wurden ziemlich häufig fotografiert
-Eine einsame Reiterin war ziemlich verwirrt und fragte, was denn nun kaputt sei... "ja haben sie denn das Zeitloch da vorne nicht gesehen?"
-der schmerzende Stolz nach dem Abbruch lässt sich mit einem ordentlichen Schnaps erstmal kurieren...

Der nächste Ansatz folgt bestimmt, es fehlt noch etwas Ausdauertraining und dann probieren wir es erneut.

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