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Ihr Name ist Noita,

Wie viele Jahre ihr Leben schon zählt kann ich nicht sagen. Allerdings vermute ich, dass Sie bald das Ende ihrer dritten Dekade erreicht.

Sie stammte ursprünglich aus dem Norden des Deutschen Reiches, aus der Stadt Hammaburg. Ich weiß nur, dass sie dort geboren wurde, als die Stadt schon nicht mehr dänisch war. Soweit mir bekannt, wurden die Hamburger von einem sehr gläubigen Adolf IV von Schauenburg regiert. Und so ist es Tradition von Hammaburgens Herrschaften an einem Kreuzzug teilzunehmen. Noitas Herrschaft hatte sogar einen sehr guten Grund ins Land Gottes zu reisen, denn die hohe Dame hatte nach drei Jahren der Ehe noch keine Erben geboren. Dies war für den Herren eine Schmach und so musste auch die Herrin mit auf Pilgerreise. Nicht nur das sie am Heiligen Grab für die Geburt eines Sohnes beten sollte. Dem Herrn war auch sehr daran gelegen, keine Gelegenheit für die Zeugung eines Knaben auszulassen, denn eine Reise ins Heilige Land dauert viele Monate, sogar Jahre.

 So also kam es, dass auch Noita - als Magd ohne weitere Verwandtschaft - auserwählt wurde mit ins Heilige Land zu reisen. Denn auch auf Reisen müssen die täglichen Geschäfte und Bedürfnisse der Herrschaft befriedigt werden. So entstand ein kleiner Tross von wohl 10 Menschen, sowohl Mägde, Knechte, als auch Zofen und Knappen. Sie alle sind über Land nach Jerusalem gezogen, welches normalerweise sogar die gefährlichere Route ist. Zwar fand man auf dem Weg noch einige Mitreisende, so schließe ich aus ihren Erzählungen, aber der Zug nach Süden wurde nicht sehr viel größer und war angreifbar. Und so kam es, obwohl doch weit über die Hälfte der Reise geschafft war, dass kurz hinter der Stadt Akkon die Reisegruppe überfallen wurde. Ihnen wurde alles gestohlen was sich in bare Münze umwandeln ließ. Die Männer wurden getötet, die Frauen verschleppt. Auch diese Gefahr ist wohl bekannt, denn die Ordenshäuser, welche entlang der Pilgerrouten stationiert sind, können einfach nicht alle Pilgergruppen beschützen.
...bis auf eine kleine Magd. Diese hatte sich mutig für das Leben ihrer Herrin geopfert. Sie als niedere Magd konnte sich vorstellen, was die verkauften Frauen in nicht zu ferner Zukunft erdulden werden müssen. Zumindest überlebt hat sie, denn sie wurde von einer Patrouille gefunden und ins Hospital der Johanniter zu Akkon gebracht. Die Leichen sind dem Sand übergeben worden, auf christlichem Land. Zwei, drei Packtiere mit Kleidung, Küchenutensilien und anderem schweren Gepäck wurden ebenfalls zum Hospital gebracht und dort unter den Armen der Stadt verteilt. Die Brüder des Hospitals haben auch in Noita eine Bedürftige gesehen und so sind ihr zumindest einige der Kleidungsstücke ihrer Herrin erhalten geblieben.

 Nachdem sie also genesen war und durch die Kunst unserer Hospitalbrüder, natürlich durch die von Gott gegebene Kunst, war ihr dennoch der Schrecken dieses Landes anzusehen. Da traf es sich das ich zum Komtur ernannt wurde und mit einer kleinen Gruppe Ritterbrüder in Richtung Svealand aufbrach. So hat sich die kleine Magd denn uns angeschlossen, wohin sollte sie sich auch wenden? Ihre größte Angst war hier in Akkon zu bleiben, und so hat sie sich lieber wieder den Strapazen der Reise ausgesetzt, als hier sesshaft zu werden.

Nun gut, ein dankbarer Geist auf einer Reise ist doch sehr angenehm - besonders wenn nachts das Bett kalt ist.

Dieser Text wurde niedergeschrieben vom Komtur Pro Forma, Reinhârd von Benthin, Ritterbruder des Johanniterorderns, Ordenshaus zu Akkon, Anno 1250

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